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Elementarsymmetrische Polynome

Original post is here eklausmeier.goip.de/blog/2024/01-31-elementarsymmetrische-polynome.


1. Definition: Ein Polynom f(x1,,xn) in den Unbestimmten x1,,xn heißt symmetrisch, falls das Polynom invariant bleibt unter jeder beliebigen zyklischen Vertauschung der Unbestimmten.

2. Beispiel: f(x1,x2)=x12+x22 oder f(x1,x2)=x13+x23 sind symmetrische Polynome, da Vertauschungen der Rollen von x1 gegen x2 nichts ändert.

3. Besonders wichtig sind die sogenannten elementarsymmetrischen Polynome

s1=x1+x2++xn,s2=x1x2+x1x3++x1xn++xn1xn,s3=x1x2x3+x1x2x4++xn2xn1xn,sn=x1xn.

Das Polynom si heißt i-tes elementarsymmetrisches Polynom. Die si üben gewisse Basisfunktionen im Raum der symmetrischen Polynome aus.

4. Satz: (Hauptsatz über elementarsymmetrische Polynome) Zu jedem symmetrischen n-stelligen Polynom f(x1,,xn) existiert genau ein Polynom F(x1,,xn), sodaß f(x1,,xn)=F(s1,,sn), x1,,xn.

Beweis: Siehe László Rédei (1967), Algebra I, László Rédei (15 November 1900 – 21 November 1980). Existenz: f(x1,,xn) sei bzgl. der Potenzen lexikographisch geordnet und es sei q=ax1k1xnkn der lexikographisch letzte Term, k1kn. Betrachtet man

as1k1k2s2k2k3sn1kn1knsnkn,

so erkennt man, daß dieser Ausdruck als führenden Koeffizienten den Term

(*)ax1k1k2(x1x2)k2k3(x1xn1)kn1kn(x1xn)kn

besitzt, welcher offensichtlich gleich q ist. Also enthält

f1(x1,,xn):=f(x1,,xn)as1k1k2snkn

nur Terme, die lexikographisch vor q kommen, man beachte (). f1(x1,,xn) ist symmetrisch und man wiederholt das Verfahren, welches irgendwann abbricht, da es nur endlich viele Terme der Form bx11xnn (1n) gibt.

Eindeutigkeit: Ist f=F1=F2, so ist F1F2 identisch gleich Null, also das Nullpolynom.     ☐

5. Bemerkung: f ist symmetrisch, F ist i.d.R. nicht symmetrisch, wie x12+x22=s122s2, oder x13+x23=s133s1s2 zeigen; s1=x1+x2, s2=x1x2. Die Symmetrie von f verlagert sich also in die Symmetrie der Basen der Polynome.

6. Definition: Es seien f(x)=a0xm++am und g(x)=b0xn++bn zwei Polynome. Dann nennt man die Determinante

R=|a0ama0amb0bnb0bn|ı1ı1ı1}n Zeilenı1ı1ı1}m Zeilen

die Resultante von f(x) und g(x), für m,n1, a00, b00.

7. Es sei u eine ^{gemeinsame Nullstelle}, also f(u)=0 und g(u)=0. Dann gilt

a0um+n1++amun1=0=0a0um++am=0b0un+m1++bnum=0=0b0un++bn=0

Dieses homogene Gleichungssystem hat den nicht-trivialen Lösungsvektor

(un+m1,un+m2,,u2,u,1)Cn+m

Daher: falls eine gemeinsame Nullstelle u vorliegt, so ist R=0. Es gilt sogar: wenn R=0, dann liegt eine gemeinsame Nullstelle vor.

8. Lemma: Es sei d(x)=ggT(f(x),g(x)), wobei degf(x)=m1, degg(x)=n1. Dann gilt

d(x)=constf(x)g1(x)+g(x)f1(x)=0{degf1(x)<m,f1(x)0,degg1(x)<n,g1(x)0.

Beweis:”: Offensichtlich ist f(x)=d(x)f1(x) und g(x)=d(x)g1(x) mit zwei Polynomen f1(x) und g1(x) mit allen oben gewünschten Eigenschaften.

”: siehe Rédei, L., Rédei (1967).     ☐

9. Satz: Für die Resultante R gilt: f(x)F(x)+g(x)G(x)=R, wobei degF(x)<n, degG(x)<m.

Beweis: Addiere für j=1,2,,m+n1 die j-te Spalte multipliziert mit xm+nj zur letzten (m-ten) Spalte von R, welche zu

(xn1f(x),,f(x),xm1g(x),,g(x))

wird. Entwickeln nach der letzten Spalte und dann Ausklammern von f(x) bzw. g(x), liefert die angegebene Darstellung.     ☐

Mit Hilfe des Lemmas folgt, daß R genau dann verschwindet, falls f(x) und g(x) einen gemeinsamen Faktor besitzen.

10. Satz: Ist f(x)=a0(xy1)(xym) und g(x)=b0(xz1)(xzn), m,n1, so hat man für die Resultante die drei Darstellungen

R=a0nb0m1k,n(ykz)=a0n1kmg(yk)=(1)mnb0m1nf(z).

11. Die Newton-Identitäten. Newton, Sir Isaac (1643--1727), Urbain Le Verrier (1811--1877). Zur Matrix ACn×n mit den Eigenwerten λi, sei pk=λik=trAk und das charakteristische Polynom sei f(x)=xn+c1xn1++cn=(xλ1)(xλn). Nach der Produktregel ist

f(x)=f(x)xλ1++f(x)xλn,

und durch Polynomdivision verifiziert man

f(x):(xλ)=xn1+(λ+c1)xn2+(λ2+c1λ+c2)xn3++(λn1+c1λn2++cn1).

Summation liefert f(x)=nxn1+(p1+nc1)xn2+(p2+c1p1+nc2)xn3++(pn1+c1pn2++ncn1). Koeffizientenvergleich mit f(x)=nxn1+(n2)xn2++2cn2+cn1 ergibt

p1+c1=0p2+c1p1+2c2=0pn1+c1pn2++cn2p1+(n1)cn1=0

und λ1kf(λ1)++λnkf(λn)=0 ergibt

pn+k+c1pn1+k++cn1p1+k+ncn=0,k=0,1,2,